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Con-Tipps 2: Der Standhelfer

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag meiner langjährigen Standhelferin Anna. In der Szene kennen sie viele auch als Lunaris-von-aquanta oder kurz Lunchen. Ohne sie würde ich das Dasein als Künstlerin auf einer Convention nur schwer überleben und ich habe sie gebeten, ihren Alltag und ihre Aufgaben als Standhelferin als Blog-Beitrag für diese Reihe zu schreiben. Also: Viel Spaß! 🙂

Standhelfer – Das etwas Andere Convention-Erlebnis

Vorweg möchte ich anmerken, dass alles in diesem Beitrag meiner Erfahrung, Einstellung oder Meinung entspricht und ich dafür keine Gewähr auf Vollständigkeit erhebe. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass die genannten Dinge auch nicht unbedingt auf Alles und Jeden zutreffen werden. Dennoch hoffe ich, dass es ein wenig Einblick und eventuell auch Hilfestellung ist für Diejenigen, die sich dafür interessieren.

Standhelfer sein – Basics

Als Erstes: was IST ein Standhelfer? Vermutlich wissen es Manche schon aber im Klartext ist es eine Person, die den Künstlern (in meinem Fall: Zeichnern) dabei hilft, ihren Verkaufsstand auf einer Convention am Laufen zu halten. Natürlich beginnt die Arbeit nicht erst dort, sondern schon lange vorher und ist auch etwas umfangreicher, als nur dazusitzen und freundlich lächelnd die Besucher zu empfangen.

Als Erstes, was braucht man für Grundvorraussetzungen? Es gibt ein paar Dinge, die man als Person an sich mitbringen sollte, wenn man überlegt, sowas einmal zu machen.

Organisation – Das ist eine der wichtigsten Grundlagen, die man können sollte. Nicht nur während der Convention muss man den Künstler unterstützen, sondern schon nach Möglichkeit ab der Bewerbung für den Tisch. Man sollte eine Art Liste aufstellen (für sich selbst!), was man brauchen könnte. Ich persönlich habe sowas großteils schon im Kopf (aufgrund meiner Erfahrung), aber es schadet nie sich Dinge aufzuschreiben. Listen sind praktisch und hin und wieder auch lebensrettend! (im metaphorischen Sinn). Außerdem sollte man sich immer mit dem Künstler auch absprechen; was braucht er, was will er machen, wie könnte man das bewerkstelligen und ganz wichtig: was nimmt man als Plan B? Nicht immer geht alles so auf, wie man das möchte und ein Plan B oder sogar C ist eine gute Absicherung für den Notfall.

Improvisation – Was aber, wenn auch Plan C nicht funktioniert? Nun, in diesem Fall sollte man ruhig bleiben und auch improvisieren können. Man muss um Ecken denken können und sich auch schon einmal etwas aus den Rippen leiern, was in einen Eiertanz ausarten kann. Trotzdem ist es immer wichtig, locker zu bleiben und nicht in Panik auszubrechen.

Kommunikation – Diese Fähigkeit ist nicht nur in Bezug auf den Künstler gemeint, sondern allgemein. Natürlich muss man sich vorher anständig mit dem Künstler unterhalten, sich austauschen, abwägen und auch Kompromisse erarbeiten können. Und wichtig ist hierbei auch – wenn ihr weiter weg wohnt, so wie ich – dass ihr genau abwägt, was nehmt ihr mit und was bringt der Künstler mit für Aufbau und Co. Solltet ihr das Gefühl haben, es ist euch zu unsicher, müsst ihr entscheiden, ob ihr nicht sicherheitshalber doch euer eigenes Tesa und euer Pattafix mitbringt, nur für den Fall der Fälle. (Anmerkung der Autorin: ich persönlich schleppe sehr oft viel zu viel mit, aber ich bin auch immer froh darum, wenn ich es dabei habe, auch wenn ich fünf Tonnen unnötig rumschleppen muss. Das ist aber nur meine persönliche Einstellung, ihr müsst das nicht tun.)

Soziale Fähigkeiten – Puh, wird jetzt der Eine oder Andere denken und sich vermutlich unwohl fühlen. Soziales ist nicht Jedermann’s Stärke, aber es geht eigentlich sehr einfach, wenn man selbst etwas locker bleibt. Seid für den Künstler da, wenn es stressig ist oder er gerade etwas Ruhe braucht. Lasst ihm aber auch seinen Freiraum, wenn er das möchte und unterstützt ihn in dem Sinne, dass ihr ihn auch mal liebevoll dazu zwingt, sich eine Auszeit zu nehmen. Meistens wissen erfahrene Künstler, die schon mehrere Stände hatten, wo ihre Grenzen liegen und wann sie eine Pause brauchen. Jüngere, unerfahrenere Künstler sollte man beobachten und freundlich hin und wieder mit einer Stärkung versorgen oder sie an die frische Luft schicken. Fünf Minuten reichen oft, damit sie wieder runter kommen.
Soziale Fähigkeiten braucht man aber auch in der Zeit, wenn der Künstler aus welchem Grund auch immer gerade nicht anwesend ist. Ihr vertretet diesen ja in dieser Zeit, daher solltet ihr auch freundlich sein können und wissen, wie man mit potentiellen Kunden umgeht. Auf Conventions trifft man oft auch viele Cosplayer, was es einem manchmal erleichtert, sie etwas eher an den Stand zu bringen. Ihr müsst nicht künstlich Komplimente verteilen, aber wenn ihr ein Cosplay seht, das euch gefällt und diese Person zufällig gerade in der unmittelbaren Reichweite ist und das Angebot betrachtet, wartet ein wenig ab, lächelt ihr zu und sagt ihr dann, dass ihr die Ausarbeitung toll findet oder was auch immer euch ins Auge fällt. Nicht nur, dass ihr damit den Cosplayer ein wenig erfreut, ihr habt auch gleichzeitig möglicherweise eine Minute gewonnen, in der dieser eventuell doch noch etwas am Stand entdeckt, was ihn interessiert. Und sei es nur, dass er nun einen Conhoneintrag von einem Charakter möchte.

Ehrlichkeit und Höflichkeit – Solltet ihr Lob für die Werke des Künstlers bekommen, bedankt euch, aber weist darauf hin, dass ihr dieses weitergeben werdet an den Künstler. Vermutlich werden euch Einige Leute dann etwas verdattert ansehen, aber ihr könnt ihnen ja sagen, dass der Künstler gerade nicht zugegen ist und ihr ihn nur vertretet. Bleibt einfach höflich und ruhig, erzählt dem Künstler aber auch, wenn er Lob bekommen hat. Somit macht ihr ihn auch noch glücklich und vielleicht etwas entspannter.

Nicht zu dünne Haut – Eine Convention ist für den Künstler eine Stresssituation, wie sie im Buche steht. Da können schon mal die Nerven blank liegen und durchgehen, ohne, dass man selbst Schuld dran ist. Daher nehmt es nicht zu persönlich, wenn ihr im Einen oder Anderen Moment etwas angezickt werdet. Zu 99% ist es nicht böse oder persönlich gemeint, sondern einfach nur eine momentane, extreme Unzufriedenheit mit Irgendetwas, das sich im falschen Moment Luft verschafft. Sollte es zu tief gehen, könnt ihr den Künstler ja nach einer halben Stunde noch einmal in Ruhe darauf ansprechen und klar markieren, wenn euch etwas verletzt oder zu sehr gekränkt hat.

Aushelfen bei Anderen Künstlern auf der Convention? – Das Aushelfen bei Anderen ist ein sehr heikles Thema. Es gibt Künstler, die stört das absolut nicht, wenn ihr auch einem Anderen mal eben aushelft. Allerdings sollte das im Vorfeld besprochen werden oder spätestens, wenn der Fall eintritt. Wenn es für euren Künstler okay ist, kein Thema. Sollte er etwas dagegen haben, lehnt eher ab. Wenn es nur um fünf Minuten für einen Klogang geht, ist das Meistens eher weniger ein Problem. Anders sieht es bei längeren Zeiträumen aus. Einfach vorab klären, dann gibt es keine Tränen.

Ablenkungen gering halten – Wenn euer Künstler gerade etwas macht (konzentriert an einem Bild arbeitet etc.), dann sollte man vermeiden, sie dabei zu stören. Wenn ein Kunde in der Zeit herbeikommt und ihr nahe genug dran seid, übernehmt das Kundengespräch. Dabei wäre es am praktischsten, wenn ihr mit eurem Künstler absprecht, dass er sich etwas weiter zurück setzt, damit ihr seinen Platz einnehmen und vertreten könnt. Auch Standnachbarn sollte man dann nicht ablenken, wenn sie an etwas arbeiten.

Die Convention – ein aufregendes Erlebnis

Soweit sind erst einmal die gröbsten Dinge abgedeckt. Es gibt natürlich noch kleinere Feinheiten, die man aber im Laufe der Zeit auch mitbekommt. Außerdem ist jeder Künstler anders. Manche sind von Haus aus gut organisiert, Andere sind zu aufgeregt, als dass sie sich wirklich alles merken. Wichtig ist es, immer Ruhe zu bewahren und auch am letzten Tag, am besten noch persönlich mit dem Künstler bei ihm Zuhause, noch einmal durchzugehen, was er braucht.

Aufbauutensilien, das Künstler-Sortiment, Preislisten, Stifte, Schere, Pattafix und Tesa (ja, Beides ist wichtig) und natürlich Schachteln, Mini-Staffeleien oder Ähnliches, was man für die Präsentation benutzt, sollten nicht fehlen. Außerdem haben mittlerweile viele Künstler auch irgendeine Art von Dekoration an ihren Verkaufsständen stehen, oft auch passend zu ihrem Standthema oder einem ihrer ausgestellten Werke. Eine bis zwei Tischdecken, genügend Geld für Essen oder eigenes Essen und Trinken ist auch Grundausrüstung für die Convention. Tüten, Folien und Gummibänder, Papier (mindestens in Weiß, besser noch in mehreren Farben) und andere Sachen, die man benötigen könnte, sollten ebenfalls nicht fehlen. Außerdem ist es immer gut, sich zu erkundigen, wie das mit dem Strom vor Ort aussieht und mit den Sitzen. Außerdem ist meine persönliche Erfahrung auch noch, dass man Sitzkissen einplanen sollte. Ihr würdet gar nicht glauben, wie unbequem ein Sessel werden kann und wie anstrengend und schmerzhaft es ist, wenn man mehrere Stunden herumsitzt. Für eventuelle Recherchen zu Referenzen sollte man auch immer im Blick haben, wie es mit dem WLAN vor Ort aussieht. Nicht jede Convention bietet es an und nicht bei jeder Convention bekommt man auch den Code für das lokale WLAN. Falls möglich nehme ich immer meine eigene WLAN-Box mit, da ich sie innerhalb meines Landes überall benutzen kann. Ich brauche nur Strom dafür. In diesem Sinne ist auch eine Powerbank nicht gerade unvorteilhaft.
Im Grunde gibt es viele Dinge, die man für einen Stand benögtig, am Ende hängt es aber immer auch vom Künstler ab und sollte abgesprochen werden. Ein Tesa zuviel ist kein Weltuntergang, einer zu wenig könnte es sein. Macht es einfach ein bisschen nach Gefühl.

Wenn dann der große Tag anbricht, bleibt ruhig. Meistens wissen die „Ständler“, was sie wollen, wie sie etwas aufbauen wollen und so weiter. Reicht ihnen eine helfende Hand, wenn sie es wollen und wo sie es brauchen. Rechnet damit, dass ihr mit ihnen bereits bis zu zwei Stunden vor dem eigentlichen Einlass in der Halle sein müsst und auch wirklich etwas tun müsst.
Das Selbe gilt für den Abbau und auch während der Convention. Als Standhelfer ist man da, um zu helfen, zu unterstützen. Das heißt aber nicht, dass man keinen Spaß haben kann oder es langweilig ist.

So viel Arbeit – wo bleibt mein Spaß? Was hab ich von der Convention als Standhelfer?

Das fragen sich vermutlich gerade sehr viele von euch, die bis hierher gelesen haben. Aber, so schwer es auch zu glauben ist, es macht wirklich Spaß, Standhelfer zu sein. In den meisten Fällen „standelt“ man ja mit Freunden oder Leuten, die man schon sehr gut kennt. Daher ist schon einmal von vorneherein abgesichert, dass man sich nicht abgeschoben fühlt. Nehmt auch für euch selber eventuell etwas mit, was euch die Zeit vertreiben kann – zbsp. Etwas zu lesen oder zu zeichnen/schreiben. Unterhaltet euch aber auch mit den Künstlern und damit meine ich nicht nur eure Freunde. Ihr könnt auch mit den angrenzenden Künstlern reden, das sind vollkommen normale Menschen wie jeder Andere auch. Oft sind die Künstler selbst aufgeregter und eingeschüchterter vor den Kunden, als umgekehrt. Immerhin sollen sie sich gut präsentieren und wollen auch irgendwo positives Feedback. Oft sind sie aber selbst nicht so von sich überzeugt, wie man meinen möchte. Darum auch hier, wenn euch etwas gefällt, sprecht es aus, schämt euch nicht dafür. Solange man nichts heuchelt, wird Lob gerne – wenn auch öfter mal rotwerdend – angenommen.
Und, was das Schönste ist: man kann die Convention dennoch genießen.
Wenn ihr eurem Künstler beim Aufbau geholfen habt – oder er euch gerade nicht braucht und es euch gestattet – dann könnt ihr durchaus auch einmal vor dem Beginn durch die Reihen laufen. Stört die Aufbauarbeiten nicht, aber ihr könnt euch trotzdem mit so manchem unterhalten oder euch das fertig aufgebaute Sortiment anschauen, ohne große Menschenmassen hinter euch. Viele Künstler haben keinen oder nur einen Standhelfer. Das heißt, meistens sind sie höchstens zu zweit, was die Menschenanzahl während des Aufbaus recht begrenzt hält. Und bis zur Öffnung bleibt öfter auch mal mehr Zeit, durch die Stände zu laufen, wenn sie fertig sind. Dabei kann man auch schon schauen, hin und wieder auch schon etwas ergattern, was es Schönes gibt. Seid aber ungefähr eine viertel bis halbe Stunde vor der Öffnung wieder bei eurem Stand, seht euch das Ganze von der Besucherseite aus an und gebt eventuell noch Feedback bezüglich des Standes. Manches ändert man kurzfristig noch, weil es anders besser aussieht oder einfach nicht aufgegangen ist. Wichtig ist aber immer, dass ihr mit eurem Künstler sprecht. Wenn er euch braucht, bleibt am Stand, wenn nicht, seht euch ruhig um. Außerdem könnt ihr euch auch auf der Convention umsehen, wenn sie bereits läuft. Ihr müsst nicht den ganzen Tag hinter dem Tisch sitzen. Allerdings gilt auch hier: alles Absprachensache! Ihr seid als „Arbeitsunterstützung“ auf der Convention, das muss euch immer klar sein. Es ist anstrengend aber auch sehr schön. Behaltet das immer im Hinterkopf und sprecht euch mit den Künstlern ab, wann ihr herumlaufen könnt und wann er euch braucht. Wenn der Künstler mal an einem Workshop teilnehmen und euch dafür eine Stunde oder Zwei alleine lassen will, seid nicht eingeschnappt. Freut euch über das Vertrauen und gönnt es ihm, gebt euer Bestes beim vertreten.

Auch, wenn sich das alles hier vermutlich nach mega Stress und Arbeit anhört – was es zugegebenermaßen auch sein kann – so ist es dennoch eine wirklich unglaubliche Erfahrung und macht sehr viel Spaß. Und ich muss sagen, dass ich Conventions mehr liebe, seit ich auch hinter dem Stand sitze. Man lernt nicht nur die Freunde besser kennen und schweißt sich auch mehr zusammen. Sondern man lernt auch die anderen Künstler kennen, kann sich mit ihnen unterhalten und neue Freundschaften knüpfen. Und man sieht, was wirklich hinter einem Verkaufsstand an Arbeit steckt. Und, wie die Überschrift bereits sagt: Standhelfer zu sein ist eine etwas Andere Conventionerfahrung, die ich aber nicht missen möchte.

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Die Con-Tipps-Reihe:
Teil 1: How to Zeichnerstand
Teil 2: Der Standhelfer